Planetware
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Musik und Alles

Eine kurze Geschichte der Kosmischen Oktave
Text von Fritz Dobretzberger anläßlich der Jubiläumsfeier "40 Jahre Kosmische Oktave" am 2.10.2018 in Berlin; mit Videos der Vorträge von Hans Cousto und Norbert Böhm (siehe unten).

Musik kombiniert zwei unterschiedliche Frequenzbänder: Tempo und Töne. Töne sind hörbare Frequenzen im Bereich von etwa 20 bis 20 000 Hz und diese Töne werden in einem bestimmten Tempo gespielt, beispielsweise mit 60 bpm (beats per minute), das wäre ein mal pro Sekunde (1 Hz).

Hans Cousto

Für die kunstvolle Vereinigung der beiden Bereiche Tempi und Töne ist wie gesagt der Begriff Musik geläufig. Was noch fehlt, ist eine griffige, allgemein gebräuchliche Bezeichnung für die Kunst der Kombination aller harmonischen Schwingungsbereiche: Für die Verbindung von astronomischen Zyklen oder molekularen Frequenzen mit Musik und Farben und anderen Bereichen. Die Formel hierfür hat Hans Cousto 1978 erkannt.

Was bisher geschah (bis 1978)
Alle oder nahezu alle Musikkulturen basieren auf Tonleitern, die das Spektrum zwischen einer und der doppelten Tonfrequenz abstufen. Das hat einen natürlichen Grund: Bei einem Ton, der eine bestimmte Frequenz hat, schwingt die doppelte Frequenz mit. Bildlich zeigt das die vibrierende Saite eines Musikinstrumentes: Sie schwingt nicht nur in ihrer ganzen Länge hin und her, sondern in sich schwingen auch die beiden Hälften hin und her und die drei Dritteln, vier Vierteln, fünf Fünftel usw. Am deutlichsten ist die Halbierung auszumachen. Die Natur erzeugt von alleine die doppelte Frequenz (beziehungsweise halbe Wellenlänge), sie proportioniert sich selbst.

Hans Cousto

Halbe Halbe
Hierzulande wird das Verhältnis von 1 zu 2 Oktave genannt, entsprechend der Siebentonleiter, der achte Ton ist dann der Oktavton (lat. octō ‚acht‘). Dieser ist klanglich so eng mit dem Grundton verwandt, dass er den gleichen Namen erhält. Die Tonleiter C, D, E, F, G, A, H und C bildet die Basis der modernen Musiknotierung (in der englischen Ausdrucksweise wird der Ton H als B benannt. Die Buchstabenfolge ab A gleicht so den ersten sieben Buchstaben des lateinischen Alphabets: A, B, C, D, E, F, G und A).

Durch die Art der Abstufung eines Spektrums von einer zur doppelten Frequenz in fünf-, zwölf- oder anders-stufige Tonleitern, in Kirchen- oder Bluestonleitern, griechische, arabische, indische, chinesische Tonleitern, und und und … unterscheiden sich die verschiedenen Musikkulturen.

Im Spektrum der musikalischen Tempi ist ebenfalls Frequenzverdoppelung ausschlaggebend. Doppelt so schnelle Tempi werden notiert als Ganze-, Halbe-, Viertel-, Achtel-, Sechzehntel-Noten usw.

Die Anwendung des Verhältnis von 1:2 als Basis der Musik ist ein Paradigma, eine Denkweise für den (fast) ganzen Kulturraum der Musik. Werden die Grenzen dieses Raumes überschritten und erweitert, entsteht ein neues, erweitertes Paradigma.

Hans Cousto

Seinerzeit
Im Herbst 1978 erkannte der Schweizer Mathematiker und Musikforscher Hans Cousto, dass die Oktave — die Frequenzverdoppelung — dazu dienen kann, über die Musik hinaus alle möglichen Schwingungsbereiche kunstvoll zu kombinieren.

Wie und wo kam Cousto darauf, in welchem Milieu entstand seine Idee? Als Zeitzeuge gestatte ich mir, das Folgende aus meiner Sicht zu erzählen. Wir waren damals eine Wohngemeinschaft in München, direkt am Englischen Garten in der Nähe des Monopteros in dem alten Stadthaus Riedlstraße 7: Drei Stockwerke, offene Türen, WCs im Halbstock, Waschbecken im Treppenhaus, gemeinsames Klamottenregal im Vorraum. Die Gesellschaft nannte uns Hippies.

Wir unternahmen Reisen, vor allem nach Indien, und lernten andere Kulturen kennen. Wir begannen uns für universelle Zusammenhänge zu interessieren, sicherlich auch angeregt durch den mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Roman von Hermann Hesse „Das Glasperlenspiel“, in dem er eine Zeichen- und Formelsprache beschreibt, an welcher die Mathematik und die Musik gleichen Anteil haben und die es ermöglicht, astronomische und musikalische Formeln zu verbinden und Mathematik, Architektur, Kunst und Musik auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.

Als Musiker, Maler und Mathematiker interessierten wir uns für Maßsysteme und Harmonik. Weil Grundmaße wie der Meter meist aus der Natur abgeleitet wurden, wollten wir wissen, welchen Ursprung der 440-Hz-Kammerton hat, der 1939 bei einer Stimmtonkonferenz in London als offizieller Stimmton vorgechlagen wurde; ohne spezifizierten Bezug zu einer Naturkonstante. Das Deutsche Institut für Normung e.V. (DIN) und der Europarat haben diese Regelung als unverbindliche Empfehlung übernommen, die Anwendung bleibt jedem selbst überlassen.

Hans Cousto

Seit dem 2. Oktober 1978 verwenden wir kosmische Stimmtöne. An diesem Tag fand und aß Cousto im Englischen Garten Zauberpilze, Spitzkegelige Kahlköpfe. Daraufhin nahm er in einer Vision wahr, wie die Planeten des Sonnensystems ein Konzert geben in einer Lightshow aus Regenbogenfarben. Dies führte zu seinem Aha-Erlebnis, zu seiner – nein, nicht Schnapsidee – zu seiner Pilzidee. Cousto griff zum Taschenrechner, und oktavierte zunächst die Rotationsfrequenz der Erde. Die Formel ist ganz einfach:

Hans Cousto

Eine Rotation der Erde um die eigene Achse dauert einen Tag mit je 24 Stunden, je 60 Minuten, je 60 Sekunden, also 86400 Sekunden. Am Taschenrechner:
24 x 60 x 60 = 86400.

Der Kehrwert der Zeit ist die Frequenz (Häufigkeit pro Zeiteinheit):
1 : 86400 = 0,000 011 574 Hz. Diese unhörbar tiefe Frequenz verdoppelte Cousto so oft bis eine hörbare Tonfrequenz errechnet war: 25 Verdoppelungen, sprich 25 Oktaven, ergeben 388,36 Hz.

Hans Cousto

Als nächstes ermittelte er die Oktavfrequenz des Sonnenumlaufs der Erde. Die Frequenz von 1 mal pro Jahr ist 32 Oktaven höher ein Ton mit 136,10 mal pro Sekunde (Hz.)

Ich erinnere mich, wie uns Cousto in dem kleinen Zimmer im Dachgeschoß die Oktavfrequenzen der Erde, des Mondes und der Planeten als Zahlen auf dem Papier vorlegte und erzählte, wie er darauf gekommen ist.

Begeistert von der Genialität seiner Idee wollten wir diese Tonfrequenzen natürlich hören. Nachdem wir damals keine Synthesizer oder Tongeneratoren hatten, ließen wir uns Stimmgabeln anfertigen.

Hans Cousto

Sadja
Als eine der ersten Erfahrungen mit den Stimmgabeln stellten wir bei Vergleichen mit Schallplattenaufnahmen und später bei Konzerten fest, das indische Meistermusiker ihre Sitar sehr genau auf den Erdenjahr-Ton CIS 136,10 Hz stimmen. Das Erstaunliche daran: Sie stimmen diesen Grundton intuitiv ein, ohne Verwendung von Stimmgabeln, ohne Frequenzzahlen parat zu haben.

Das der indische Grundton, Sadja genannt, Vater aller anderen Töne, mit der Oktavfrequenz des Erdenjahres übereinstimmt, wunderte uns nicht allzu sehr, da die Berechnungen ja auf dem natürlichen Oktavgesetz beruhen. Erstaunlich für unseren abendländischen Kulturkreis ist jedoch, wie die Inder ohne Kenntnis der Zahlen auf diesen Ton kommen.

Folgende Erfahrung war für mich wie ein Blick durch ein Schlüsselloch: Eines Tages stimmte ich mit der Erdenjahr-Stimmgabel eine indische Sitar so genau, das schließlich nach dem Anschlagen der am tiefsten tönenden Saite alle anderen Saiten mittönten. Die Sitar war nun also ganz genau gestimmt. Spät nachts saßen wir dann im kleinen Kreis in dem Zimmer, in dem auch die gut gestimmte Sitar stand. Wir waren alle in einer völlig entspannten Stimmung — und hörten, wie beim Erklingen unserer hin und wieder gesprochenen Worte die Sitarsaiten resonierten und mittönten!

Indische Meister scheinen sich nicht vordergründig um eine bestimmte Tonfrequenz zu bemühen, sondern in einer meditativen Gelassenheit von selbst in diesem Ton zu schwingen. Entsprechend meiner Erfahrung mit der zum Klang der Worte resonierenden Sitar ist dabei die Gemütsstimmung eine entspannte und herzliche, mit — wie ich annehme — niedriger Gehirnwellenfrequenz, ähnlich wie beim Erwachen nach einem tiefen Schlaf, noch vor dem Einsetzen des gewöhnlichen Gedankenrummels.

Wir Erdbewohner haben ganz klar die Rhythmen unseres Planeten intus: Wach- und Schlafzustand wechseln in der Frequenz des Tag- und Nachtrhythmus und jährlich erleben wir lichtarme Winter im Wechsel mit lichtvollen Sommern, während in der selben Frequenz die Früchte der Bäume reifen und im Inneren ihrer Stämme Jahresringe wachsen.

Hans Cousto

ColorMusic
Der violette Rand des Regenbogens hat etwa die doppelte Frequenz des roten Randes. Das Lichtspektrum umfasst also eine Oktave. Dies ermöglicht, eine Farbe als höhere Oktave eines Tones (oder irgend einer anderen Frequenz) zu sehen. So ist ein Ton A mit 440 Hz viele Oktaven über den Hörbereich eine Lichtfrequenz, die wir als Gelborange sehen. Zwölftonleiter und Zwölffarbenkreis sind gleichartig, beide gliedern den Oktavraum in 12 Stufen.

Dementsprechend färbten wir zunächst die Klaviertastatur von Michael Samay, Pianist und enger Freund des Hauses. Dessen Bruder Martin entwarf die ersten rudimentären Farbnoten, die dann Johannes Paul, ebenfalls ein Riedlhaus-Kommunarde, und ich im Laufe der Jahre zu den diagrammartigen Colormusic-Farbnoten perfektionierten. 1993 erschien im Berliner Simon+Leutner Verlag unser Buch „Farbmusik – Leitfaden für eine kombinierte Farben- und Musiklehre“.

Hans Cousto

Aus dem Nähkästchen geplaudert
Wie es zu dem ersten handgeschriebenen, fotokopierten und mit einer Nähmaschine gebunden Heft „Farbton Tonfarbe und die Kosmische Oktave“ (hier als PDF) und zu seinen weiteren Büchern kam; wie sich aus seinem Pilztrip eine Industrienorm entwickelte, erzählte Cousto in seinem Vortrag auf der Jubiläumsfeier „40 Jahre Kosmische Oktave“, die am 2. Oktober 2018 im Berliner KitKat-Club stattfand. Es war eine von Ananto (Mystic Rose) veranstaltete und von Klangwirkstoff Records mit Hans Cousto organisierte Party mit DJs und Livemusik von B. Ashra, Akasha Project und vielen anderen und mit Visuals, Kunstperformances (siehe LineUp der Ankündigung), sowie Vorträgen von Hans Cousto und Norbert Böhm, die auf YouTube erschienen sind:

Video
40 Jahre Kosmische Oktave
Part 1
„Die Geschichte und Möglichkeiten der Kosmischen Oktave“
Vortrag von Hans Cousto
Video von Tristans Transit


Directlink

Grenzgeniales
Die Idee der Kosmischen Oktave als grenzgenial zu bezeichnen ist angemessen, weil jetzt die Oktave über die Grenzen des Hörbereichs hinaus alle Schwingungsbereiche vereint. Cousto hat damit ein neues Paradigma geschaffen. Auf der Party zum 40-jährigen Jubiläum der Kosmischen Oktave präsentierte der Philosoph und Harmoniker Norbert Böhm diesbezüglich eine abermals erweiterte Weltsicht.

Hans Cousto

Norbert Böhm aus Brandenburg an der Havel ist mit Hans Cousto befreundet und seit 20 Jahren mit dem Thema Kosmische Oktave vertraut. Seit fast 10 Jahren arbeitet er an seinem ca. 900 Seiten umfassenden Meisterwerk „Stimmfibel zur Sphärenmusik“, das 2019 zum 400. Geburtstag der Keplerschen Weltharmonik als Buch erscheinen soll.

Norbert Böhm erweitert das Feld der Kosmischen Oktave. Während Cousto die stabile Umlaufsfrequenz eines Planeten oktavanalog als stabile Tonfrequenz darstellt, nimmt Norbert Böhm den Planetenumlauf genau unter die Lupe. Weil ein Planet nicht kreis- sondern ellipsenförmig die Sonne umrundet, ist er mal schneller und mal langsamer unterwegs, was sich als veränderliche Tonfrequenz darstellen lässt (genau gesagt gleicht die Sonnenumlaufbahn eines Planeten einer ellipsenförmigen Spirale, da sich die Sonne in ihrer Galaxie selbst auf einer Bahn vorwärts bewegt,während sie von ihren Planeten umrundet wird).

Ewig und Jetzt
Die beiden Methoden von Hans Cousto und Norbert Böhm stellen zwei duale Sichtweisen ein und derselben Gegebenheit dar. Aus langer, ‘ewiger’ Sicht messen wir die Häufigkeit (Frequenz) der Wiederholungen pro Zeiteinheit. Die Erde umrundet ein mal pro Jahr die Sonne. Etliche Oktaven höher ist das mit 136,10 mal pro Sekunde (Hz) eine bestimmte hörbare Frequenz, die als Stimmton dienen kann.

Hans Cousto

Aus dem Blickpunkt des momentanen Jetzt wird hingegen das Innenleben einer elliptischen Welle deutlich. Je nachdem auf welchem Punkt der Welle der Planet gerade ‘surft’, verändert sich seine Bahngeschwindigkeit. Norbert Böhm hat die entsprechend zu- und abnehmenden Tonhöhen berechnet.

Wenn um den 3. Januar die Erde auf Ihrer Umlaufbahn der Sonne am nächsten ist, hat sie ihre höchste Geschwindigkeit mit dem Oktavton von 140,8 Hz. Am langsamsten ist sie um den 5.Juli mit 131,7 Hz. Bei mittlerem Tempo um den 3. April und dem 6. Oktober ist die Tonfrequenz 136,1 Hz. Farbanalog ist das ein Verlauf von einem bläulichen zu einem grünlichen Türkis.

Weltpremiere
Bei der Jubiläumsparty am 2. Oktober 2018 kam es während des aufschlussreichen wie spannenden Vortrags von Norbert Böhm zu einer Weltpremiere: Steffen Günther, Musiker bei Planetary Cymatic Resonance, machte Böhms planetare ‘Ellipsentöne’ hörbar. Denn — wie bereits zu Beginn des ersten der beiden Videos zitiert wird — schon Ludwig van Beethoven wusste: „Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie“.

Video
40 Years Cosmic Octave
Part 2
„Die Sphärenmusik vom Himmel holen“

Vortrag von Norbert Böhm mit Steffen Günther
Video von Tristans Transit


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