Geschichte der Farbmusik
Die Verbindung von Ton und Farbe hat eine lange Geschichte. In Philosophie, Kunst und Wissenschaft finden sich zahlreiche Bezüge zwischen Klang und Farbe.
Diese Ansätze sind meist symbolisch, subjektiv oder experimentell geprägt.
Mit der systematischen Betrachtung von Frequenzen über Oktaven hinweg ergibt sich ein Zugang, in dem Ton und Farbe auf einer gemeinsamen Grundlage betrachtet werden können.
Frühe Vorstellungen
Schon in frühen Kulturen wurde ein Zusammenhang zwischen Tonleitern und Farben angenommen. Im Alten Testament wird der Regenbogen mit den sieben Tönen der Tonleiter in Verbindung gebracht:
"Es ist die Leiter Jakobs im Alten Testament ein Regenbogen oder eine prismatische Stiege, deren sieben Stufen wiederum mit den sieben Tönen identisch sind".
(Fritz Stege, Musik, Magie und Mystik)
Vergleiche zwischen Metren, Tonleitern und Farben finden sich in den indischen Veden sowie in Überlieferungen aus China, Persien und dem arabischen Raum. Auch antike Denker wie Aristoteles gingen davon aus, dass Farben und musikalische Intervalle auf ähnlichen Zahlenverhältnissen beruhen, während Architekten wie Vitruv solche Proportionen auf Bauwerke übertrugen.
Mittelalter und Renaissance
Guido von Arezzo entwickelte im 11. Jahrhundert die Liniennotation und schuf damit eine Grundlage der heutigen Notenschrift, wodurch Tonhöhen erstmals präzise dargestellt und überliefert werden konnten. Parallel dazu kamen in der diastematischen Notation (11.–13. Jahrhundert) farbige Linien zum Einsatz. In der Renaissance griffen Gelehrte wie Leonardo da Vinci und Cardano die Idee eines Zusammenhangs von Farbe und Klang erneut auf.
Barock und Aufklärung
Im 17. Jahrhundert entwickelte Athanasius Kircher erste systematische Zuordnungen von Farben zu Tönen und Intervallen. Isaac Newton untersuchte das Farbspektrum experimentell und ordnete die Spektralfarben den Tönen der Tonleiter zu.
18. und 19. Jahrhundert
Im 18. Jahrhundert entstanden erste Konzepte eines „Farbklaviers“. Georg Philipp Telemann und Louis-Bertrand Castel entwickelten Ideen, Töne durch Farben sichtbar zu machen. In der Romantik beschäftigten sich Komponisten wie Liszt und Mussorgski mit der Verbindung von Musik und Bild, während Wilhelm Ostwald im 19. Jahrhundert versuchte, Farbsysteme neu zu ordnen und mit musikalischen Strukturen zu verknüpfen.
20. Jahrhundert: Licht und Musik
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden erste farbmusikalische Aufführungen. Alexander Skrjabin setzte in seinem Werk Prometheus ein Farblichtklavier ein, um Musik visuell zu erweitern. Auch Arnold Schönberg integrierte Farbe als Gestaltungselement in seine Kompositionen. Künstler wie Thomas Wilfred entwickelten Lichtinstrumente, verzichteten jedoch auf feste Zuordnungen zwischen Tonhöhe und Farbe, während parallel pädagogische Ansätze entstanden, die Farben zur Vermittlung musikalischer Strukturen nutzten.
Ab 1978
Ende der 1970er Jahre entstand aus der Beschäftigung mit der Kosmischen Oktave ein neuer Ansatz zur Verbindung von Ton und Farbe. Hans Cousto erkannte 1978 die Oktave als verbindendes Prinzip zwischen unterschiedlichen Schwingungsbereichen. Dabei fiel auf, dass auch das sichtbare Farbspektrum eine Oktave umfasst, woraus die Zuordnung der Zwölftonleiter zum Zwölffarbenkreis entstand.
In einem nächsten Schritt wurde ein Klavier farblich markiert und erste Erfahrungen im Zusammenspiel von Ton und Farbe gesammelt. Auf dieser Grundlage entwickelte sich nach und nach das hier vorgestellte Notationssystem, in dem jeder Ton eine feste Farbe erhält, die Tonhöhe räumlich angeordnet ist und die Tondauer durch die Länge der Darstellung sichtbar wird.
Über die Notation hinaus ist Farbmusik ein System, in dem Musik sichtbar und anwendbar wird – auf dem Instrument, in der Darstellung und in visuellen Anwendungen. Damit unterscheidet sich dieser Ansatz von früheren Versuchen, bei denen Farben meist ergänzend oder frei zugeordnet eingesetzt wurden.